Mehr Orga, weniger Spaß und der erste Flopp.
Nach der chaotischen Anreise dachten wir, der erste richtige Tag in Berlin würde etwas entspannter werden.
Falsch gedacht.
Der Vormittag bestand aus Organisation. Nicht der spannenden Art, sondern der Sorte, bei der man alle zehn Minuten feststellt, dass man schon wieder Geld ausgeben muss.
Der Schlachtplan:
> Kleinanzeigen öffnen – suchen – vergleich:
> Bücher finden, für den neuen Schwerpunkt
> Fahrräder finden
> möglichst wenig Geld ausgeben
> Sportangebot finden
> Nebenjob finden
> Einkaufen
Kleinanzeigen nahm unfassbar viel Zeit in Anspruch. Es gab viele Fahrräder in Berlin, viele davon ziemlich sicher geklaut. Irgendwann fanden wir halbwegs seriöse Anbieter. Aber das Fahrrad-Drama bekommt einen eigenen Eintrag.
Wir fanden die Bücher zum Glück halbwegs schnell zu einem halbwegs guten Preis. Immerhin besser als 80 Euro pro Person: Jeder von uns gab ca. 30 Euro aus. Danach ging es einkaufen. Lidl lag praktischerweise direkt um die Ecke. Unpraktischerweise mussten wir den kompletten Einkauf in zwei Rucksäcken nach Hause tragen. Und es war immer noch viel zu heiß.
Weil natürlich noch etwas fehlte, ging es anschließend „nur kurz“ zu Netto. Und es ist halt Netto, also:
> Nur eine geöffnete Kasse für 20 Personen.
> Zwei sich gegenseitig anmeckernde Mitarbeiterinnen.
> Zwanzig Minuten Wartezeit mit zwei schweren Lidl-Rucksäcken auf dem Rücken.
Zu Hause wurde erst einmal gekocht. Hauptsache schnell. Ich entschied mich für meinen leckeren Tortellini-Salat.

Teresa hingegen suchte nach Nebenjobs.
Ziel: eine entspannte Bar, Biergarten oder Café.
Zwischendurch mussten wir noch unser Bedürfnis stillen, nach der langen Lernzeit wieder mit dem Sport anzufangen. Ein Glück sind wir in der Hauptstadt. Unendlich viel Angebot und mit Urban Sports fanden wir dann unser Glück. Alles war möglich: Fitness, Yoga, Pilates und selbst Salsa-Kurse konnten wir ab jetzt machen.
Irgendwann am Abend auf dem Balkon fragte ich mich, ob wir eigentlich nach Berlin gezogen oder in Vollzeit Organisationsmanagement eingestiegen waren. Dann fiel es uns plötzlich wieder ein: Shit, heute spielt Deutschland. Wo schauen wir das Spiel an?
Teresa kam dann auf eine brillante Idee: Public Viewing am Potsdamer Platz. Versprochen wurden uns eine riesige Leinwand, gute Stimmung und bestes Wetter. Teresa überzeugte mich davon, sodass wir uns – etwas zu spät – auf den Weg machten. Die U-Bahn sollte uns direkt hinbringen. Aber spätestens in der U-Bahn wurde klar:
Diese Idee hatten heute auch ein paar andere.
Es war schon wieder viel zu heiß, der Schweiß lief mir die Beine herunter. Die U-Bahn war brechend voll und ich hatte direkt keine Lust mehr.
Am Potsdamer Platz angekommen, irrten wir erst einmal umher. Die in Deutschlandtrikots gekleidete Gruppe von Halbstarken fanden wir vertrauenserweckend und folgten ihnen. Wir waren am Ziel, konnten es hören – und dann, wie soll es anders sein: Wir waren zu spät, und es war seit zwei Stunden kein Einlass mehr möglich. SUPER.
Wer stellt sich bei diesen Temperaturen bitte zwei Stunden vorher an?
Wir mussten umdisponieren, also Plan B: Ein Cocktailwagen übertrug das Spiel. Wir wollten einfach nicht drinnen sitzen. Der Fernseher war nicht größer als eine Mikrowelle, on top gab es drei Minuten Zeitverzögerung und schlechte Sicht.
Teresa startete parallel den Livestream auf dem Handy, sodass wir gleichzeitig Vergangenheit und Gegenwart anschauen konnten.
Spätestens zur Halbzeit war klar:
Das wird nichts.

Auf dem Heimweg landeten wir erst in einer etwas zwielichtigen Kneipe. Dort wurden wir von einem kleinen Hund angekläfft, am Nebentisch begann sofort eine hitzige und unerwartete Diskussion über Rottweiler. Ich schaltete ab, sah die Aschenbecher und erinnerte mich wieder daran, dass man in Berlin tatsächlich noch drinnen rauchen darf.
Unser letzter Stopp wurde schließlich ein mexikanisches Restaurant, bei uns um’s Eck. Nicht wegen des Essens, sondern weil genau in diesem Moment das 1:1 fiel.
Der bestellte Aperol Sour bekommt solide fünf von zehn Sternen. Das Desperados dafür eine Limette, die ungefähr so groß war wie das Glas selbst.
Zur Verlängerung waren wir endgültig zu müde und liefen nach Hause. Das Elfmeterschießen schauten wir vom Handy aus.
Deutschland war raus. – Wir auch.
🚫 Berlin-Flopp #1: Das Public Viewing am Potsdamer Platz. 30 Minuten Anfahrt, Einlassstopp und am Ende doch nur der Handy-Livestream.