Sonnenfinsternis, Sternschnuppen & schlechte Vorbereitung

Die Sonnenfinsternis stand an.

Und obwohl es gefühlt jedes Mal wieder heißt, dass irgendein astronomisches Ereignis ein absolutes Jahrhundertphänomen ist, bin ich inzwischen gar nicht mehr so wahnsinnig überrascht.
 
Teresa dafür umso mehr.
 
Sie fieberte bereits die ganze Woche darauf hin. Denn nicht nur die Sonnenfinsternis stand an, auch das Zeiss-Großplanetarium lud zur Langen Nacht der Astronomie ein und anschließend sollten die Perseiden vorbeischauen und uns mit jeder Menge Sternschnuppen belohnen.
 
Astronomischer Mega-Abend also.
 
Bevor wir uns damit belohnen konnten, gab es allerdings ein paar kleinere Probleme.
 
Problem #1:
Wir hatten natürlich keine Sonnenfinsternisbrille.
 
Und offenbar waren wir naiv genug zu glauben: Ach, so schwer wird es schon nicht sein, irgendwo eine zu bekommen.
 
War es doch.
 
Problem #2: Teresa war an diesem Tag nicht ganz fit. Vermutlich wäre es deutlich klüger gewesen, einfach zu Hause zu bleiben und sich auszuruhen.
 
Aber nicht mit Teresa.
 
Die sprach schließlich seit Tagen von kaum etwas anderem als der Sonnenfinsternis und den Sternschnuppen.
 
Also versuchten wir wirklich alles, um noch an eine dieser Brillen zu kommen.
 
Apotheken. Optiker. Sogar MediaMarkt.
 
Keine Chance.
 
Alles ausverkauft.
 
Ernüchtert wieder zu Hause angekommen, erklärte Teresa trotzdem, dass sie auf jeden Fall zum Planetarium wollte. Dort sollten angeblich noch einmal kostenlos Brillen ausgegeben werden.
 
Wir konnten ja nicht ahnen, dass dieser Vorrat ungefähr genauso gut auf die Menschenmassen vorbereitet war wie wir.
 
Außerdem waren wir davon ausgegangen, dass das Planetarium selbst sicherlich ein hervorragender Ort sein würde, um die Sonnenfinsternis zu beobachten.
 
War es nicht.
 
Denn Berlin ist flach.
 
Und rund um das Planetarium waren vor allem: Menschen.

Zeiss-Großplanetarium
Zeiss-Großplanetarium

Sehr viele Menschen.
 
Schon die Anreise wurde zu einer kleinen Odyssee. Rund um die Prenzlauer Allee war gefühlt alles gesperrt und zu den Menschenmassen gesellte sich irgendwann auch noch ein entsprechendes Polizeiaufgebot.
 
Natürlich hatten wir uns zusätzlich mit einer Arbeitskollegin verabredet.
 
Min-Dju hetzte sich komplett ab, um ebenfalls noch rechtzeitig anzukommen.
 
Wider Erwarten schafften wir es tatsächlich, uns in dem ganzen Chaos zu finden.
 
Nur war inzwischen ziemlich klar:
 
Wir müssen woanders hin.
 
Teresa bestand selbstverständlich darauf, die Sonne auch wirklich zu sehen.
 
Wenn wir schon ohne Brille durch halb Berlin gefahren waren, sollte das schließlich nicht komplett umsonst gewesen sein.
 
Nach einer kurzen digitalen Beratung entschieden wir uns für den Mauerpark.
 
Das Problem war nur die Uhrzeit.
 
Es war inzwischen ca. 19:50 Uhr.
 
Der Höhepunkt sollte gegen 20:05 Uhr erreicht sein.
 
Perfekt.
 
Also ging es mit der nächsten Bahn in Richtung Mauerpark, der eigentlich nur ungefähr zehn Minuten entfernt war.
 
Eigentlich.
 
Wir hatten also noch rund 15 Minuten Zeit, keine Brille, keinen wirklichen Plan und eine Teresa, die körperlich ohnehin nicht gerade ihren besten Tag hatte.
 
Beste Voraussetzungen.
 
Also liefen wir im Stechschritt Richtung Aussichtspunkt.
 
Immer die Uhr im Hinterkopf.
 
Min-Dju hatte immerhin ihr Fahrrad dabei und irgendwo zwischen den Menschenmassen fanden wir uns tatsächlich noch einmal wieder.
 
Und irgendwie schafften wir es.
 
Oben angekommen standen schließlich überall Menschen mit den begehrten Brillen herum.
 
Also fragten wir einfach höflich.
 
Und tatsächlich durften wir alle noch einmal durch eine Brille schauen.
 
Mission Sonnenfinsternis:
 
Gerade noch erfolgreich.
 


Nachdem wir unsere astronomische Pflicht erfüllt hatten, musste allerdings dringend Schadensbegrenzung betrieben werden.
 
In Form von Essen. In der Nähe des Mauerparks fiel mir ein kleines asiatisches Restaurant ins Auge.
 
Schon wieder asiatisch. Aber immerhin kein Pho 6.
 
Das störte uns allerdings wenig. Es war angenehm ruhig, das Essen war gut und zwischen diversen Tofugerichten und Gesprächen über die Wochenendplanung konnten wir hervorragend die Zeit überbrücken.
 
Denn der Abend war ja noch lange nicht vorbei.
 
Wir warteten schließlich auf Teil zwei unseres astronomischen Großereignisses:
 -> die Perseiden
 
Teresa übernahm natürlich wieder die Standortplanung und suchte einen möglichst geeigneten Platz mit wenig künstlichem Licht heraus.
 
Bevor wir dort ankamen, fanden wir uns allerdings noch kurz in einem Fotoautomaten wieder.  
Und wie eigentlich immer bei diesen Dingern drückte er natürlich viel zu früh ab.
 
Wenigstens hatten wir damit auch dieses obligatorische Erlebnis abgehakt.
 
Oben angekommen konnte ich dann sogar noch mit einer Überraschung aufwarten:
 
Ich hatte eine Picknickdecke mitgenommen.
 
Vorausschauend. Vorbereitet. Fast schon professionell.
 
Leider war in meiner Tasche Wasser ausgelaufen.
 
Die Picknickdecke war also nass.
 
Natürlich war sie das.
 
Nach dem ganzen Tag hätte mich eine trockene Picknickdecke vermutlich mehr überrascht.
 
Wir setzten uns trotzdem hin, starrten in den Himmel und hielten Ausschau nach Sternschnuppen.
 
Und ausgerechnet ich, die grundsätzlich gefühlt nie besonders viele Sternschnuppen sieht, hatte plötzlich richtig Glück.
 
Innerhalb der ersten Minuten sah ich direkt drei Stück.
 
Auch Min-Dju wurde ziemlich schnell belohnt.

Ausgerechnet die Person, die seit Tagen von diesem Abend gesprochen, uns trotz fehlender Brillen und angeschlagener Verfassung zum Planetarium gebracht, den Umzug zum Mauerpark durchgesetzt und anschließend noch einen geeigneten Platz zum Sternegucken ausfindig gemacht hatte, sah erst einmal alles Mögliche.
 
Satelliten zum Beispiel. Nur eben keine Sternschnuppe.
 
Wir lagen also weiter auf unserer leicht feuchten Picknickdecke, schauten nach oben und warteten.
 
Und irgendwann wurde auch Teresa belohnt.
 
Eine Sternschnuppe.
 
Endlich.
 
Damit konnte der Abend offiziell als Erfolg verbucht werden.
 
Sonnenfinsternis gesehen.
 
Sternschnuppen gesehen.
 
Essen bekommen.
 
Irgendwann machten wir uns auf den Heimweg.
 
Teresa war glücklich, aber hundemüde und schloss bereits in der Straßenbahn immer wieder kurz die Augen.
 
Zu Hause angekommen machte ich es ihr ziemlich schnell nach.
 
Ein astronomischer Mega-Abend also.
 
Nur eben auf unsere Art:
 
Ohne Brille gestartet, durchs halbe Berliner Verkehrschaos gelaufen, unter Zeitdruck den Mauerpark erklommen und am Ende auf einer nassen Picknickdecke in den Himmel gestarrt.
 
Aber irgendwie hat es funktioniert.
 
Wie so oft.

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