Nach Augsburg und wieder nach Berlin

Die Woche wurde deutlich turbulenter als gedacht, denn ich musste noch einmal nach Augsburg zurück. Am Mittwoch stand eine Verhandlung vor dem Sozialgericht an, bei der ich dabei sein sollte. Also machte ich mich am Dienstagmorgen auf den Weg nach Hause. Die Zugfahrt konnte ich immerhin zum Arbeiten nutzen und kam gegen halb eins in Augsburg an – die Deutsche Bahn sogar erstaunlich pünktlich.

Ich freute mich sehr, Tobi wiederzusehen. Davor schaute ich noch kurz bei meiner Nachbarin vorbei, begrüßte sie und rauchte mit ihr eine Zigarette – so wie früher eben. Danach wurde noch gearbeitet, bevor Alex uns am Abend zum Sommerrollenessen einlud. Sie ist in diesem Bereich ohnehin die ungeschlagene Queen, also konnte ich schlecht Nein sagen.

Dadurch wurde der Abend etwas stressiger, denn eigentlich hatten sich später nur Paul und Pauline angekündigt. Aus dem kleinen Treffen wurde allerdings ziemlich spontan ein größeres: Jassi, Luisa, Marlene und Michi kamen ebenfalls vorbei. Und obwohl ich manche von ihnen schon länger nicht mehr gesehen hatte, fühlte sich innerhalb weniger Minuten alles wieder genauso an wie früher. Lange Gespräche auf dem Balkon, die Couch gehörte irgendwann den Gästen und irgendeine Playlist lief im Hintergrund.

Tobi bestand außerdem darauf, „Spezi Sekt“ zu kaufen. Falls sich jemand fragt, ob man das probieren sollte: nein. Wirklich nicht.

Irgendwann freute ich mich dann aber doch sehr auf mein Bett.

Am nächsten Morgen ging es mit dem Fahrrad zum Sozialgericht, wo ich meine Chefin und eine weitere Kollegin traf. Fahrradfahren, kurze Wege, alles um die Ecke – auch das fühlte sich sofort wieder vertraut an. Die Verhandlung verloren wir leider.

Auf dem Heimweg schaute ich noch auf dem Stadtmarkt vorbei und holte bei Thassos endlich meine lang vermissten Zitronenoliven. Weil ich hungrig einkaufen ging, kaufte ich natürlich mal wieder viel zu viel.

Am Nachmittag kam Pauline vorbei, offiziell zum Arbeiten und natürlich auch ein bisschen, weil sie mich vermisst hatte. Als wir später auf dem Balkon saßen, entstand ziemlich spontan die Idee, dass sie einfach mit nach Berlin fahren könnte. Sie hatte für die nächsten Tage ohnehin nicht viel geplant und bei mir hatte sich fürs Wochenende kein Besuch angekündigt.
Oder anders gesagt: Ich überredete sie ein bisschen.

Pauline fuhr also noch einmal nach Hause, packte ihre Sachen und um 17:42 Uhr trafen wir uns am Augsburger Hauptbahnhof. Natürlich auf den letzten Drücker. Dafür war unser ICE nach München schneller und pünktlicher als gedacht. Im Nachhinein vermutlich der erste Hinweis darauf, dass dieses Reiseglück nicht lange anhalten würde.

In München reichte es sogar noch für einen Zwischenstopp bei Yormas, bevor wir uns von den Nebengleisen zum eigentlichen Hauptbahnhof durchschlugen und in den Sprinter Richtung Berlin stiegen. Geplante Ankunft: 22:30 Uhr.

Anfangs sah alles überraschend gut aus. Obwohl der Zug deutlich kürzer war als angekündigt, fanden wir in meinem reservierten Abteil zwei Sitzplätze. Dann wurde es warm. Und wärmer. Und noch wärmer.

Die Klimaanlage funktionierte offensichtlich nicht richtig, ausweichen konnten wir wegen des völlig überfüllten Zuges aber auch nicht. Pauline las irgendwann ohne Brille, weil sie ihr vor lauter Schwitzen von der Nase rutschte. Ich versuchte gleichzeitig, meinen Blog zu schreiben und mir irgendwie Luft zuzufächern. Zwischendurch wurde Wasser verteilt und weiterhin behauptet, die Klimaanlage funktioniere grundsätzlich. Davon kam bei uns nur leider nichts an.

In Erfurt folgte schließlich die Durchsage, dass unser gesamter Waggon wegen der Hitze gesperrt werde. Wir konnten entweder im vollen Zug die restliche Fahrt stehen oder rund 20 Minuten warten und einen anderen Zug über Leipzig nehmen.

Wir entschieden uns für Variante zwei. Der neue Zug war leerer und – entscheidend – klimatisiert. Dafür hatte er natürlich Verspätung. Statt um 22:30 Uhr kamen wir gegen 23:30 Uhr in Berlin an. Unsere Straßenbahn fuhr inzwischen nicht mehr, also nahmen wir ein Uber und standen erst kurz vor Mitternacht in der Wohnung.

Wir packten nur noch schnell aus und machten uns bettfertig. Teresa bekam von unserer nächtlichen Ankunft zum Glück nichts mit. Sie hatte vorsorglich Oropax drin und offenbar schon geahnt, dass unsere Reise etwas ausarten könnte.

Am nächsten Morgen ging es für Teresa und mich ganz normal zur Arbeit. Pauline bekam einen Schlüssel und konnte ihren Tag in Berlin verbringen, Freunde treffen, an die Spree gehen und lesen.

Bei mir stand dagegen das Halbzeitgespräch meines Praktikums an. Gegen 12:30 Uhr ging es mit meinen beiden Ausbilderinnen zum Lunch ins SFERA, wo ich vegane Udon Carbonara bestellte.

Beim Essen redeten wir erst über alles Mögliche – unter anderem über meinen Blog – und anschließend über meine bisherige Zeit bei Amnesty. Und ich kann weiterhin nur sagen, dass ich mit meinen beiden Ausbilderinnen wahnsinnig viel Glück habe. Charlotte hat erst vor Kurzem ihr zweites Examen bestanden und beschäftigt sich vor allem mit Polizeirecht, Menschenrechten und Asylrecht. Lena wiederum ist unglaublich fit im Bereich KI und Menschenrechte.

Das Feedback zu meiner Arbeit fiel glücklicherweise sehr positiv aus – und das kann ich eigentlich nur zurückgeben. Ich bekomme viele Freiheiten, gleichzeitig gibt es konstruktiven Austausch und Kritik und ich habe das Gefühl, wirklich etwas aus dem Praktikum mitzunehmen. Vor allem macht mir die Arbeit in dieser Konstellation einfach wahnsinnig viel Spaß.

Danach ging es zurück ins Büro. Für meine Ausbilderinnen standen noch Bewerbungsgespräche mit neuen Referendar:innen an und ich hatte ebenfalls noch ein paar Dinge fertigzustellen.

Am Abend fuhren Teresa und ich nach Hause. Pauline war bereits mit einem Freund verplant, Teresa musste später noch zur Arbeit in die Weinbar und Oskar sollte ebenfalls am Abend kommen. Für mich bedeutete das vor allem: ein bisschen Ruhe.

Die konnte ich auch gut gebrauchen. Denn nach Augsburg, Sozialgericht, spontaner Mitfahrerin und einer halben Sauna auf Schienen hatte ich mir den Freitag freigenommen.

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