Viel Grün, Kunst & Essen
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Freitag – Gartenakademie, Botanischer Garten und sehr viel georgisches Essen
Für Freitag hatte ich mir nach dem ganzen Stress freigenommen. Teresa und ich wollten ohnehin schon länger zur Königlichen Gartenakademie fahren und Pauline war natürlich direkt dabei. Oskar war damit der Einzige von uns, der arbeiten musste.
Gegen 11 Uhr machten wir uns auf den Weg Richtung Dahlem. Die Fahrt dauerte länger als gedacht, war mit dem Bus aber eigentlich ganz schön, weil wir dadurch wieder einiges von Berlin sahen.
Unser Plan war, im Café der Gartenakademie zu frühstücken. Als wir kurz nach zwölf ankamen, mussten wir allerdings feststellen, dass das Frühstück – natürlich – exakt bis zwölf Uhr angeboten wurde.
Also wurde umgeplant. Teresa und Pauline bestellten gemeinsam den Afternoon Tea mit Sandwiches mit Lachs und Dill sowie Gurke, Kresse und Butter, Victoria Sponge Cake mit Sahne und Erdbeerkonfitüre und zwei Scones mit Clotted Cream und Jam. Ich entschied mich für Kartoffelpüree mit Sellerie und Knoblauch, gebratenem Porree und eingelegten Zwiebeln.
Wir saßen wunderschön draußen mitten im Grünen. Der einzige Störfaktor waren ungefähr 700 Wespen, die vor allem Teresa zu ihrem persönlichen Tagesprojekt erklärt hatten. Entspanntes Essen war damit nur bedingt möglich.
Teresa und Pauline beschlossen außerdem, einen Punkt von Paulines After-Master-Bucketlist abzuarbeiten: gemeinsam ein Bier trinken. Nach etwas Hin und Her wurde eines gefunden und erfolgreich darauf angestoßen.
Danach stöberten wir durch die Gartenakademie. Neben Pflanzen gibt es dort Töpfe, Gartenbedarf, Bücher, Schreibwaren, Wohnaccessoires und Dekoration – also im Grunde eine Ansammlung von Dingen, bei denen man permanent denkt: Brauche ich nicht, hätte ich aber sehr gerne.
Gegen 16 Uhr machte sich Teresa langsam auf den Heimweg, weil sie mit Oskar noch etwas unternehmen wollte. Pauline und ich beschlossen dagegen spontan, noch in den Botanischen Garten zu gehen.
Der stellte sich als wesentlich größer heraus als gedacht. Wir steuerten zunächst die Gewächshäuser an und liefen dort innerhalb kürzester Zeit durch die unterschiedlichsten Klima- und Vegetationszonen – von tropischen Pflanzen bis zu Wüstenlandschaften. Irgendwo dazwischen entdeckten wir sogar einen Gecko.
Fast genauso unterhaltsam fand ich ein Schild, das ausdrücklich darum bat, keine Haustiere im Botanischen Garten auszusetzen. Offenbar passiert das häufig genug, um daraus eine eigene Kampagne zu machen: „BO ist nicht Zoo.“
Orientierungstechnisch waren Pauline und ich irgendwann komplett verloren. Dafür fanden wir den Nutzgarten – und damit Paulines persönliches Paradies.
Beeindruckenderweise erkannte sie wirklich fast jede Gemüse- und Obstpflanze. Und sobald irgendwo etwas reif aussah, wurde probiert. Gleichzeitig ärgerte sie sich darüber, dass all das schöne Obst und Gemüse offenbar niemand erntete und einfach verkommen würde.
Ich behielt lieber für mich, dass das Ernten nicht erlaubt war.
Parallel entwickelte Pauline eine erstaunlich große Angst vor dem Fuchsbandwurm. Aber auch nur, da wir bereits zuvor einen Fuchs antrafen, der mit einer Maus spielte und offensichtlich überhaupt keine Eile hatte, sie zu essen. Pauline beobachtete das zunehmend empört und bezeichnete ihn schließlich als „Mistvieh“. Was mich etwas wunderte. Schließlich hatte sie selbst einmal eine Katze und sollte mit dem Konzept „unnötig lange mit einer Maus spielen“ eigentlich vertraut sein.
Gegen 19 Uhr machten wir uns auf den Weg Richtung Dahlem-Dorf. Die U-Bahn-Station hatten mir Kili und Johannes schon bei einem früheren Berlin-Besuch empfohlen. Dieses Mal lag sie endlich auf unserem Weg – und tatsächlich sieht sie mit ihrem historischen Empfangsgebäude eher nach Dorf als nach Berliner U-Bahn aus.
Danach ging es kurz nach Hause. Wir zogen uns um und machten uns anschließend auf den Weg zum Salhino in Charlottenburg. Ich hatte bis dahin noch nie wirklich georgisch gegessen, Pauline war dagegen schon Fan. Dementsprechend bestellten wir mit sehr viel Begeisterung und eher wenig realistischem Blick auf unsere Mägen einmal quer durch die Karte.
Es gab Badridschani, gegrillte Auberginen mit Walnusspaste, georgischen Gewürzen und Granatapfelkernen, und Khinkali, die klassischen georgischen Teigtaschen mit Rind- und Schweinehack. Dazu kamen Atscharuli, ein Käsebrot in Schiffchenform mit Ei und Butter, Soko Ketsze, mit Käse überbackene Champignons aus dem Ofen, und die vegane Sacivi mit Blumenkohl in kalter Walnusssauce.
Kurz gesagt: Unsere Augen waren deutlich größer als unsere Mägen.
Dazu gab es Wein und georgisches Mineralwasser, das überraschend salzig und mineralisch schmeckte und mich ein bisschen an Wasser aus Kroatien erinnerte.
Noch besser als das Essen war fast die Atmosphäre. Wir hatten ein tolles Plätzchen, es war ein warmer Sommerabend und der Service war wahnsinnig witzig und herzlich. Das Salhino gehört außerdem zu den georgischen Restaurants in Berlin, die im Michelin Guide geführt werden.
Für meine erste richtige Begegnung mit georgischem Essen also ein voller Erfolg – absolute Empfehlung.
Und zur Abwechslung mussten wir danach keine Stunde mehr durch Berlin fahren, sondern waren in zehn Minuten zu Hause.






Samstag – Kunst, Tauben und schlechtes Zeitmanagement
Am Samstag waren Pauline und ich wieder zu zweit unterwegs. Oskar und Teresa hatten eine Kajaktour durch den Spreewald geplant und machten sich in eine völlig andere Richtung auf.
Nach einem kleinen Frühstück zu Hause – zu einer Uhrzeit, zu der andere vermutlich schon über Mittagessen nachdenken – wollten wir zur Neuen Nationalgalerie. Vor allem „Gerhard Richter. 100 Werke für Berlin“ stand auf dem Plan.
Wir fuhren vom Goslarer Platz zum Lützowplatz und liefen von dort weiter. Unterwegs brauchten wir allerdings noch Kaffee und holten uns bei Why Not Kaffee einen vietnamesischen Kaffee und einen Matcha.
Schon beim Betreten der Neuen Nationalgalerie wurden wir von etwas begrüßt, womit ich nicht gerechnet hatte: ausgestopften Tauben.
Sehr vielen ausgestopften Tauben.
Die gehörten zur kommenden Ausstellung „NIGHT“ von Maurizio Cattelan. Da die Ausstellung noch gar nicht eröffnet hatte, bekamen wir unfreiwillig einen ziemlich gruseligen Vorgeschmack.
Eigentlich waren wir aber wegen Gerhard Richter da. Die Ausstellung „100 Werke für Berlin“ zeigt Werke aus mehreren Jahrzehnten, darunter als Herzstück den vierteiligen „Birkenau“-Zyklus. Wir sahen uns anschließend noch weitere Teile der Sammlung an und schafften es dabei gleich zweimal, uns vollständig gegenseitig zu verlieren.
Irgendwann fanden wir uns wieder und gingen hinaus in den Skulpturengarten. Dort hatten wir perfektes Timing: Genau in diesem Moment wurde die Nebelskulptur von Fujiko Nakaya aktiviert. Innerhalb kurzer Zeit zog Nebel durch den Garten, legte sich zwischen Bäume, Skulpturen und Architektur und verschwand anschließend wieder.
Wir verbrachten deutlich mehr Zeit im Museum als gedacht, schauten viel Kunst an und ratschten wahrscheinlich mindestens genauso viel. Überhaupt fühlte es sich das ganze Wochenende so an, als wären Pauline und ich nie wirklich getrennt gewesen.
Irgendwann meldete sich allerdings der Hunger – und gleichzeitig die Uhr. Pauline musste am Abend schließlich ihren Zug nach Augsburg erwischen.
Also fuhren wir noch zur Wilma und ließen uns durch die Markthalle treiben. Pauline wollte unbedingt Samosas. Nach früheren Erfahrungen war ich skeptisch, aber dieses Mal waren sie tatsächlich ganz gut. Ich entschied mich für Ramen, Pauline für Pad Thai. Meine Ramen waren sehr lecker, das Pad Thai eher mittelmäßig. So viel zu „damit kann man nichts falsch machen“.
Kurz zuvor hatte Pauline mich noch dafür gelobt, wie hervorragend wir unser Zeitmanagement im Griff hätten. Wenig später war klar: Den ursprünglich geplanten Bus würden wir definitiv nicht mehr schaffen. Und natürlich wollte Pauline vorher auch noch Tiramisu für sich und Paul kaufen.
Zum Glück hatten wir Puffer eingeplant. Wir fuhren mit der U-Bahn bis zum Mierendorffplatz und liefen von dort ziemlich schnell nach Hause. Pauline schickte ich mit meinem Schlüssel hoch, um ihren Koffer zu holen, während ich mich schon einmal an die Bushaltestelle stellte – fest entschlossen, diesen Bus notfalls persönlich aufzuhalten.
Das war glücklicherweise nicht nötig. Pauline kam rechtzeitig, wenn auch ziemlich verschwitzt, und bat mich noch, bis zur Turmstraße mitzufahren, weil sie sich wegen des Umstiegs in die Tram unsicher war. Natürlich fuhr ich mit, setzte sie erfolgreich in die richtige Tram und verabschiedete mich.
Ausgerechnet dort wurde ich dann noch mit einer Seite Berlins konfrontiert, über die wir uns zuvor unterhalten hatten. Pauline hatte mich gefragt, wie oft ich in den Öffentlichen schon unangenehme Begegnungen mit pöbelnden oder schreienden Menschen gehabt hätte. Bis dahin konnte ich eigentlich sagen: kaum.
An der Turmstraße stand nun ein sichtlich auffälliger Mann mitten auf der Straße und beschimpfte mehrere Jugendliche. Ein anderer Mann versuchte, die Situation zu beruhigen, wurde aber ebenfalls aggressiv angegangen. Schließlich kam die Security. Da mein Bus erst zehn Minuten später fuhr, bekam ich leider fast die gesamte Situation mit.
Danach war ich froh, einfach nach Hause zu fahren und zu duschen.
Teresa und Oskar hatten inzwischen Lachs, Garnelen und Gemüse gekocht. Es sah fantastisch aus und schmeckte auch so – nur war ich von meinen Ramen noch komplett satt.
Teresa hatte außerdem von der Arbeit eine Flasche Wein zum Testen bekommen. Für die „Full Experience“ sollten wir ihn einmal direkt nach dem Öffnen und anschließend nach etwas Zeit zum Atmen probieren. Leider hatte sie vergessen, den Weißwein kaltzustellen. Unsere professionelle Verkostung fand also mit viel zu warmem Weißwein statt. Einen Unterschied konnten wir erstaunlicherweise trotzdem schmecken.




Sonntag – Mimosas & Wizard
Für Sonntag hatten Teresa und ich unsere Arbeitskollegin Min-Dju zum Brunch eingeladen – unser erster richtiger Besuch in der Wohnung.
Wir richteten unseren mittlerweile bewährten Brunchtisch her, Min-Dju brachte Brot und selbst gemachten Hummus mit und draußen auf dem Balkon gab es Orangensaft und Mimosas.
Eigentlich hatten Teresa und ich gedacht, dass es ein relativ kurzer Brunch werden würde.
Dann beschlossen wir, noch eine kurz Wizard zu spielen.
Aus einer „kurz“ Wizard wurden ungefähr drei Stunden. Aus dem kurzen Brunch also ein ziemlich langer Nachmittag und nebenbei verschwanden eine Flasche Sekt und eine halbe Flasche Wein. Erst gegen 17 Uhr verabschiedeten wir Min – Dju und ließen den Sonntag gemütlich ausklingen.
Damit endete ein Wochenende, das ursprünglich überhaupt nicht groß geplant gewesen war und am Ende doch erstaunlich voll wurde.


Botanischer Garten Berlin
Mit rund 43 Hektar, fast 20.000 Pflanzenarten und 15 Gewächshäusern ist er der größte Botanische Garten Deutschlands. Die Gewächshäuser führen durch unterschiedliche Vegetations- und Klimazonen. Für einen spontanen Nachmittag definitiv mehr als genug – wir hätten dort noch deutlich länger bleiben können. Weitere grüne Ziele in Berlin sind beispielsweise der Botanische Volkspark Blankenfelde-Pankow und die Gärten der Welt.
Neue Nationalgalerie
Der von Ludwig Mies van der Rohe entworfene Bau am Kulturforum ist selbst schon einen Besuch wert. Inhaltlich konzentriert sich die Neue Nationalgalerie auf Kunst des 20. Jahrhunderts. Bei unserem Besuch besonders sehenswert: „Gerhard Richter. 100 Werke für Berlin“ und Fujiko Nakayas Nebelskulptur im Skulpturengarten – plus ein leicht gruseliger Vorgeschmack auf Maurizio Cattelans „NIGHT“.