Onboarding und viele Hippe Begriffe
Nach den turbulenten ersten Tagen in Berlin stand am Mittwoch plötzlich der Ernst des Lebens wieder vor der Tür. Noch nicht einmal richtig angekommen und vom Examen sowieso noch nicht erholt, ging es direkt wieder an den ersten Arbeitstag.
Arbeitsbeginn:
Teresa: 10:00 Uhr
Silvia: 11:00 Uhr
Uns war immerhin schon klar, dass wir ungefähr 45 Minuten nach Neukölln brauchen würden. Wie genau wir dort hinkommen, war allerdings eher nebensächlich. Gefühlt fährt in Berlin alles, was der öffentliche Nahverkehr zu bieten hat: U-Bahn, S-Bahn, Bus, Tram und dann gibt es ja auch noch diese Ringbahn. Ich nenne sie bis heute lieber Ringelbahn.
Teresa machte sich also als Erste auf den Weg –
(Gastbeitrag folgt)
Ich dagegen genoss den Luxus, noch eine Stunde länger schlafen zu dürfen. Kurz bevor ich in die U-Bahn stieg, kam noch eine WhatsApp von Teresa:
„Nimm die U-Bahn!!!“
Mehr Erklärung gab es nicht. Also nahm ich die U-Bahn – wobei ich ohnehin schon am Bahnsteig stand.
Die Route war überraschend unkompliziert: ewig mit der U7 Richtung Rudow, am Hermannplatz umsteigen und anschließend mit dem M41 weiter zur Sonnenallee. Wenn man allerdings 30 Minuten in derselben U-Bahn sitzt, fühlt sich das irgendwann wie eine kleine Zugreise an. Ich meine, das ist ungefähr die Strecke Augsburg–Donauwörth.
Entgegen aller Erwartungen klappte tatsächlich alles. Um 09:55 Uhr stand ich pünktlich im Empfangsbereich von Amnesty International. Darauf war ich ehrlich gesagt ein bisschen stolz – Pünktlichkeit gehört normalerweise nämlich nicht zu meinen größten Talenten.
Schon beim Betreten des Büros fiel mir auf, dass Amnesty irgendwie anders ist. Gelb. Überall Gelb. Die Corporate Identity wird dort definitiv ernst genommen. Statt grau-weißer Behördenflure erwarteten mich offene Arbeitsbereiche, riesige Besprechungsräume und viel Licht. Dazu ein Familienzimmer, ein Hundebüro, ein Sofa-Zimmer, drei Küchen, Pilates einmal pro Woche, eine Süßigkeitenschublade für alle und ein Wasserhahn, der auf Knopfdruck Sprudelwasser ausspuckt. Allein dafür hätte sich das Praktikum fast schon gelohnt.
Nach dem Onboarding mit einer weiteren Praktikantin ging alles erstaunlich schnell. Führung, Laptop, Schlüssel, Zugänge und gefühlt eine Million neuer Programme später wurde mir klar, dass hier ständig Meetings stattfinden und sich jeder morgens seinen Arbeitsplatz bucht. So ein Arbeitskonzept kannte ich bisher nicht. Alle waren unglaublich offen und freundlich. Irgendwann stieß auch Teresa dazu – sie sah allerdings deutlich weniger begeistert aus. Warum, das erzählt sie dann selbst.
Neben uns gibt es noch eine Referendarin aus Berlin. Praktisch, denn die ersten Mittagstipps bekamen wir direkt am ersten Tag. Die Auswahl besteht zwar gefühlt aus zwanzig Dönerläden und einem Netto, dafür können wir direkt am Wasser sitzen und haben sogar eine Strandbar nebenan. Die wird definitiv noch getestet.
Inhaltlich wurde es dann direkt spannend. Die nächsten drei Monate werde ich mich unter anderem mit Menschenrechten im digitalen Zeitalter und Polizeigewalt beschäftigen. Mein erstes Thema: autonome Waffensysteme und menschenrechtliche Bedenken. Nicht unbedingt das, womit ich gerechnet hatte – aber wahnsinnig interessant. Zum ersten Kennenlernen gingen meine Ausbilderin und ich übrigens einfach spazieren. Deutlich angenehmer als jedes klassische Bürogespräch.
