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Vom dubiosen Fließband-Biergarten zum Weinbar-Jackpot

Wer denkt, dass man in Berlin an jeder Ecke mal eben einen entspannten Minijob hinterhergeworfen bekommt, hat falsch gedacht.

Die Gastro-Realität sieht leider etwas anders aus – erst recht, wenn man nur für 2,5 Monate in der Stadt ist. Berlin will dich meistens ganz oder gar nicht. Aber von vorn:

Mein erster Stopp war ein super süßer Biergarten. Die Chemie mit der Inhaberin hat sofort gestimmt und ich hab mich gedanklich schon hinterm Tresen gesehen. Jackpot, dachte ich – ging ja einfacher als gedacht. Tja zu früh gefreut. Minijobber sind dort nicht erwünscht. Sie machen zu viel Papierkram. Aber hey, zumindest hatte ich ein nettes Gespräch.

Nächster Versuch: Ein wunderschöner Biergarten direkt am See. Die Einladung zum Probearbeiten kam sofort. Minijob für die kurze Zeit? Überhaupt kein Problem. Ich war mega happy. Vor Ort gab es eine kurze Einweisung vom Vize-Tresen-Chef. Aufgabe: Getränke machen. Eigentlich simpel, das Ziel mit etwas Übung: vier Getränke gleichzeitig ausschenken. Bei dem Mini-Andrang vor Ort totaler Quatsch. Aber hey, Hauptsache stur den Effizienz-Film durchgezogen, um drei Geistergäste in Rekordzeit abzufertigen. Bei großem Andrang stehen dort wohl bis zu acht Leute hinter dem Tresen. Fragt mich nicht, wo die alle hinpassen.Das ist nicht der erwünschte Gastro-Vibe, sondern Bierausschank am Fließband.

Der Vibe war allgemein der absolute Wahnsinn. Die drei Inhaber wirkten maximal dubios, alle so Mitte 30 und einer mit blauem Auge. Gastro-Leidenschaft? Komplette Fehlanzeige. Man hatte eher das Gefühl, der Biergarten ist die perfekte Tarnung für irgendwelche geheimen Machenschaften – eine hübsche kleine Geldumwandelmaschine.

Trinkgeld gibt’s maximal 40 Euro im Monat. Geld für das Probearbeit gab‘s natürlich auch nicht. Ich hab den Laden als absolutes Notfall-Backup verbucht und bin gegangen.

Nach einigen unbeantworteten Nachrichten und erfolglosen Telefonaten endlich der Erfolg: Auf Instagram entdeckte ich eine nette Weinbar. Eine Nachricht, ein super nettes Gespräch und mein Geständnis, dass meine Weinexpertise quasi nicht existent ist, später stand ich zum Probearbeiten im Laden. Eine völlig neue Welt: Ich wurde direkt für die Stunden bezahlt, es gab ungefragt kostenloses Leitungswasser für die Gäste und ich durfte sofort die ersten Schaumweine probieren. Ich habe mich direkt wohlgefühlt. Zwar fange ich als Hilfskraft an und nicht in der professionellen Beratung – aber für die nächsten zwei Monate ist das der absolute Jackpot. Ich darf bei Weintastings dabei sein und werde quasi dafür bezahlt, mehr über Weine zu lernen! Lieben wir!

Berlin Tipp: Vertraue deinem Bauchgefühl; wenn dein neuer Chef ein blaues Auge hat, renn.

– Teresa

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