Zwischen Gefängnismauern, Heimwerkerglück
& Schaufenster-shopping
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Das eigentliche Highlight der Woche wartete allerdings erst am Mittwoch.
Um neun Uhr stand die Besichtigung der Justizvollzugsanstalt Moabit auf dem Programm. Verrückt eigentlich, dass eines der bekanntesten Gefängnisse Deutschlands nur zehn Fahrradminuten von unserer Wohnung entfernt liegt.
Bereits die Organisation war überraschend unkompliziert. Eine kurze E-Mail mit dem Hinweis, dass wir Rechtsreferendarinnen aus Bayern sind und die JVA gerne besichtigen würden, genügte völlig. Wenige Tage später hatten wir bereits die Zusage und durften uns sogar einen Termin aussuchen. Gemeinsam mit einer Berliner Referendargruppe ging es dann durch die Sicherheitskontrolle.
Mein persönliches Highlight war allerdings weder der imposante Strahlenbau noch der unterirdische Verbindungsgang zum Kriminalgericht.
Es war Herr B. Dass Herr B. eine Berliner Legende ist, merkte man sofort. Er begrüßte wirklich jede Kolleg*in mit einem Handschlag. Meistens gefolgt von einem fröhlichen:
„Na, schöner Mann!“ oder „Na, schöne Frau!“
Mit seiner Berliner Schnauze führte er uns durch die gesamte JVA. Er erzählte offen von seinem Arbeitsalltag, sprach auch unbequeme Themen an und beantwortete geduldig unsere Fragen. Wurden diese allerdings zu offensichtlich oder wiederholten sie sich, überließ er die Antwort kurzerhand den Berliner Referendar*innen.
Ich nutzte die Gelegenheit natürlich aus und löcherte ihn mit Fragen. Irgendjemand musste schließlich den Vergleich zwischen Bayern und Berlin ziehen. Hin und wieder erinnerte ich ihn freundlich daran, dass der Strafvollzug bei uns keinen allzu großen Teil der Ausbildung einnimmt und er manche Begriffe vielleicht kurz erklären sollte. Mit der Zeit trauten sich dann auch die anderen, deutlich mehr nachzufragen.
Gemeinsam liefen wir durch die verschiedenen Bereiche der JVA. Wir sahen die Höfe, in denen früher sogar RAF-Mitglieder getrennt ihren Hofgang hatten, besonders gesicherte Hafträume (bgH), Besucherbereiche und die modernen Medienhafträume mit ihren großen Touchscreens. Besonders überrascht hat mich, wie viele Gefangene gerade mit Malerarbeiten beschäftigt waren.
Mitten während der Führung wurde dann plötzlich Alarm ausgelöst.
In einem Strahlenbau – mit einer beeindruckenden Akustik – bekommt das wirklich jede Person mit. Unter der großen Kuppel begann ein Warnlicht zu blinken und wir wurden kurz aus dem Bereich geführt, bis die Situation geklärt war.
Die Führung endete schließlich in der Kapelle. Wir bedankten uns für die spannenden Einblicke und machten uns mit einer ganzen Menge neuer Eindrücke wieder auf den Heimweg.
Nach so vielen Eindrücken brauchten wir erst einmal Mittagessen. Gefunden haben wir in der Kirchstraße, die Halb.Zwölf.Kantine. Dort entschied ich mich für Knödel mit Parmesan-Zucchini-Soße, Teresa für eine Gemüse-Bowl. Weder die Bowl noch ihre Zitronenlimonade überzeugten. Ich hingegen war mit meiner Wahl absolut zufrieden.

Anschließend wollten wir noch in einen Mid-Century-Möbelladen, den Teresa bereits vor dem Mittagessen entdeckt hatte. Dort erwartete uns ein Laden und im Innenhof sogar noch eine versteckte Lagerhalle. Voller Möbel, Lampen und Deko, die wir am liebsten komplett mitgenommen hätten. Leider bewegten sich die Preise eher in der Kategorie „schön anzuschauen“ als „nehmen wir mit“.
Danach verschlug es uns noch ins Bikini Berlin. Das Einkaufszentrum direkt am Bahnhof Zoo hat mich wirklich überrascht. Viele kleine Concept Stores statt der üblichen Ketten, spannende Marken und ständig neue Ecken zum Entdecken.
Teresa verliebte sich in eine Hose, eine Weste und Ohrringe. Ich dagegen in zwei Kimonos, eine Hose und ein Oberteil. Vernünftig wie wir waren, gingen wir trotzdem mit leeren Händen wieder hinaus. Zumindest an diesem Tag.






Zum Abschluss machte Teresa noch einen kurzen Abstecher in den Apple Store, bevor ich sie am Abend auch noch zum Fitboxing überredete.
Nach einer Stunde Boxen fiel ihr Urteil erfreulich eindeutig:
„Okay … das machen wir wieder.“ – Trotz aufgeschürfter Knöchel.
Der Rest der Woche war deutlich alltäglicher – aber nicht weniger unterhaltsam.
Am Montag ging es wieder zum Pole Dance. Langsam passieren dort tatsächlich Dinge, die ich vor ein paar Wochen noch für völlig unmöglich gehalten hätte. Es sieht zwar immer noch deutlich weniger elegant aus als bei unserer Trainerin Sandra, aber inzwischen erkennt man wenigstens, welche Figur ich eigentlich darstellen möchte. Aber seht selbst…
Teresa wagte sich diesmal ebenfalls noch einmal an die Stange, beschloss danach aber, dass Pole Dance wohl doch eher mein neues Hobby werden darf und sie lieber zum Yoga geht.
Auf dem Heimweg entdeckten wir dann die Neueröffnung eines Köfte-Imbisses. Vier Euro für Köfte klangen einfach zu gut, um einfach vorbeizufahren. Also stellten wir uns in die viel zu lange Schlange. Nach gut einer halben Stunde hielten wir schließlich Köfte und Ayran in der Hand. Das Warten hatte sich gelohnt.
Der Dienstag entwickelte sich anschließend völlig unerwartet zu meinem Heimwerker-Tag. Innerhalb weniger Stunden reparierte ich die ständig nachlaufende Toilettenspülung, richtete unsere Schranktür und brachte die Waschmaschine wieder zum Laufen.
Erstaunlich viele Haushaltsprobleme lassen sich offenbar mit YouTube lösen: Toilettenspülung mit Zitronensäure, Schranktürschanier mit Zahnstocher und Holzleim und die Waschmaschine mit einer Reinigung des Flusensiebs, in dem sich offenbar ein Farbschutztuch häuslich eingerichtet hatte.
Falls das mit Jura irgendwann doch nichts wird, sehe ich inzwischen zumindest Potenzial als Hausmeisterin.
Der Donnerstag verlief dagegen fast schon ungewöhnlich ruhig. Arbeiten, Mittagspause mit den Kolleg*innen in der Sonne und zum Feierabend noch eine kleine Runde Tischtennis im Büro.
Nach Pole Dance, Heimwerker-Einsätzen, Gefängnisbesichtigung und Fitboxing war genau so ein unspektakulärer Abschluss eigentlich perfekt.
Kleine Anekdote zum Schluss: Teresa muss ich an dieser Stelle noch kurz daran erinnern, dass sie diese Woche tatsächlich freiwillig E-Scooter gefahren ist. Das wäre eigentlich keine Erwähnung wert – wenn sie nicht bei nahezu jeder Fahrradtour ausführlich erklären würde, warum E-Scooter doch eigentlich ganz furchtbar sind.

JVA Moabit
Die JVA Moabit wurde zwischen 1877 und 1881 als Königliches Untersuchungsgefängnis erbaut und steht heute unter Denkmalschutz.
Der markante Strahlenbau folgt dem sogenannten Panoptikum-Prinzip: Von einer zentralen Kuppel aus verlaufen fünf Flügel, sodass möglichst viele Bereiche gleichzeitig überwacht werden konnten.
Die JVA ist bis heute über einen unterirdischen Verbindungsgang mit dem Kriminalgericht Moabit verbunden. Angeklagte können so direkt zu Gerichtsverhandlungen gebracht werden.
Heute verfügt die JVA über rund 850 Haftplätze und ist eine der größten Untersuchungshaftanstalten Deutschlands.