„Staatsschutz“
Filmpreview im Kino International
Das Highlight dieser Woche fand am Dienstagabend im Kino International statt: die Preview von „Staatsschutz“, dem zweiten Kinofilm von Regisseur Faraz Shariat. Amnesty war an diesem Abend ebenfalls vertreten – und so wurde aus einem Kinobesuch für mich gleichzeitig ein ziemlich besonderer Arbeitseinsatz.
Bevor es losgehen konnte, mussten Teresa und ich allerdings erst einmal zum Kino kommen. Eigentlich wollten wir entspannt mit den Öffis fahren. Nachdem wir uns zu Hause etwas verratscht hatten, stellten wir jedoch fest, dass wir damit viel zu spät kommen würden. Also blieb nur das Fahrrad. Die anschließenden 35 Minuten quer durch Berlin waren entsprechend sportlich – und ob dabei jede Verkehrsregel mit letzter Konsequenz eingehalten wurde, lasse ich lieber offen. Mein Stresslevel war jedenfalls ordentlich hoch, schließlich hatte ich Lena und Charlotte erst kurz zuvor erzählt, dass ich an diesem Tag mithelfen wollte. Zu spät zur Veranstaltung zu kommen, wäre dafür nicht gerade der beste Auftakt gewesen.
Im Kino angekommen, war der Amnesty-Stand schon halb aufgebaut und auch die anderen Praktikantinnen waren schon da. Nur wir waren etwas spät dran. Bei den letzten Handgriffen konnte ich dann doch noch unterstützen, auch wenn ich nur Tesa organisierte. Auch andere zivilgesellschaftliche Organisationen, wie „Omas gegen Rechts“, richteten ihre Stände her.
Im Mittelpunkt stand unser Konterspiel. Dabei werden menschenverachtende Aussagen und Situationen vorgelesen und verschiedene Reaktionsmöglichkeiten durchgespielt. Es gibt bewusst nicht die eine richtige Antwort. Vielmehr geht es darum, miteinander ins Gespräch zu kommen und auszuprobieren, wie man reagieren kann – damit einem die passende Antwort nicht, wie so oft, erst Stunden später einfällt.
Während ich versuchte, Besucher:innen zum Mitspielen zu bewegen, blieben irgendwann eine Frau und ein Mann interessiert an unserem Tisch stehen. Also fragte ich sie kurzerhand, ob sie eine Runde spielen wollten. Währenddessen kam mir die Frau zunehmend bekannt vor, nur einordnen konnte ich sie beim besten Willen nicht. An den Reaktionen der anderen merkte ich irgendwann: Offenbar sollte ich sie kennen.
Nach dem Spiel löste Charlotte das Rätsel auf: Es war Karoline Herfurth.



Da ein Foto natürlich auch für unsere Öffentlichkeitsarbeit nicht ganz schlecht war, fragte ich sie anschließend noch einmal, ob sie für ein Bild und ein kurzes Video zu uns kommen würde. Eine ziemlich unerwartete, aber vor allem sehr sympathische Begegnung.
Um 19:30 Uhr begann schließlich „Staatsschutz“. Der Film erzählt von der deutsch-koreanischen Staatsanwältin Seyo Kim, die selbst Opfer eines rassistischen Brandanschlags wird. Bei ihren Ermittlungen gegen ein rechtes Netzwerk stößt sie zunehmend auf Widerstände innerhalb der eigenen Justiz. Damit stellt der Film unbequeme Fragen über rechte Gewalt, institutionellen Rassismus und darüber, was passiert, wenn ausgerechnet jene Institutionen zum Problem werden, die den Rechtsstaat schützen sollen.
Im Anschluss diskutierten Faraz Shariat, Drehbuchautorin Claudia Schaefer, Rechtsanwältin Seda Başay-Yıldız und Journalist und Jurist Ronen Steinke über den Film. Moderiert wurde das Gespräch von Shila Behjat. Besonders spannend fand ich die Verbindung zwischen der Entstehung des Drehbuchs und den tatsächlichen Erfahrungen aus Justiz und Gesellschaft. Dadurch blieben die im Film aufgeworfenen Fragen nicht einfach auf der Leinwand zurück, sondern begleiteten uns direkt in die anschließende Diskussion.
Zurück im Foyer ergaben sich noch einige interessante Gespräche. Unter anderem lernte ich Mitarbeitende des Auswärtigen Amts und des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung kennen. Natürlich kam auch hier unser Konterspiel noch einmal zum Einsatz.
Als wir schließlich alles zusammengepackt hatten, war es längst spät geworden. Für die komplette Rückfahrt mit dem Fahrrad fehlte mir inzwischen allerdings die Energie. Also versuchten Theresa und ich es mit einer Kombination aus U-Bahn und Fahrrad – nur um am Hauptbahnhof festzustellen, dass wir von dort trotzdem noch rund 20 Minuten radeln mussten.
Zeit gespart hatten wir damit vermutlich keine. Aber nach einem Abend zwischen Fahrrad-Sprint durch Berlin, Amnesty-Stand, einer zufälligen Begegnung mit Karoline Herfurth und einem Film über institutionellen Rassismus war ein etwas entspannterer Heimweg vielleicht auch einfach die bessere Entscheidung.