Erster Flohmarkt, Käsekuchen
& das wahrscheinlich unangenehmste Date Berlins
Nach dem langen Samstag sollte der Sonntag eigentlich ruhiger werden.
Teresa hatte einen kleinen Flohmarkt am Fehrbelliner Platz recherchiert.
Das Wort klein traf es ziemlich gut.
Trotzdem wurde ich fündig.
Zuerst allerdings bei einem Händler, der mich schon nach wenigen Sekunden wieder wegschicken wollte. Offenbar hatte er mitbekommen, dass ich nicht bereit war, Unsummen für Möbel einer Übergangswohnung auszugeben.
Wir wurden keine Freunde.
Ein paar Stände weiter lief es deutlich besser.
Einen kleinen Pflanzentisch handelte ich von fünfzig auf zehn Euro herunter. Super Schnäppchen, aber das Ding muss halt jetzt irgendwie nach Augsburg.
Ein weiterer Verkäufer, den ich bereits zuvor nach dem Preis einer schönen Fliese fragte, welche ich als Untersetzer verwenden wollte, grinste schon von Weitem. Er bekam meinen Deal mit und konnte es kaum glauben.
Ich sah nur noch wie er den Kopf schüttelte und lief schnurstracks auf ihn zu.
Der Verkäufer lachte immer noch. Dann fragte ich ihn, ob er mir nun einen besseren Preis als 7 Euro geben würde. Er fragte mich, was ich den bereit wäre auszugeben. Ich sagt na maximal 2 Euro, es handelt sich schließlich um eine Fliese. Er gab sich geschlagen und sagte:
„Jetzt tu den anderen Händlern bitte den Gefallen und geh heim. Mit dir verdient heute keiner mehr Geld.“
Damit konnte ich gut leben.

Nach dem eher überschaubaren Flohmarkt wollte Teresa unbedingt noch zu Princess Cheesecake. Also schleppten wir meinen neu erhandelten Pflanzentisch quer über den Ku’damm bis vor das Café. Natürlich fing es genau in dem Moment an zu regnen. Uns war das egal – wir wollten trotzdem draußen sitzen. Simone hingegen resignierte langsam mit den Raucher*innen um sie herum.
Am Nebentisch saßen zwei Menschen, bei denen ich mir nach den ersten drei Minuten sicher war: Das ist entweder ein erstes Date oder eine Partnervermittlung.
Sie saß da, im Hermès Businesskleid, mit perfekt geglätteten blonden Haaren und manikürten Nägeln. Er im Polohemd, geschniegelt genug, dass ich ihn gedanklich schon in einer Sparkassenwerbung gesehen habe.
Mein innere Hobby-Psychologin war natürlich sofort hellwach. Denn das konnte nur gut werden.
Sie erzählte ziemlich offen, wie frustriert sie vom (Online-) Dating sei und dass sie endlich einen Mann suche, der wisse, was er wolle; Am besten sie und möglichst bald Kinder. Er wirkte dagegen mit jedem Satz etwas distanzierter.
Als das Gespräch auf Hobbys kam, erwähnte er, dass er ganz gerne mal zocke und später vielleicht noch einmal ins Ausland wolle.
Ihre Antwort kam sofort:
„Aha … und was machst du dann hier?“
Das anschließend aufgesetzte Lachen sollte die Situation retten. Hat es aber natürlich nicht.
Spätestens beim Thema Kinder wurde es richtig unangenehm.
Sinngemäß erklärte sie ihm, Männer könnten sich mit dem Kinderkriegen zwar Zeit lassen. Aber wenn man mit 45 erst anfange, kenne man sein Kind am Ende nur fünf Jahre, bevor man sterbe.
Ich war mir ziemlich sicher, dass er innerlich schon den Fluchtweg plante.
Als sie kurz auf die Toilette ging, dachte ich tatsächlich, er nutzt die Gelegenheit und verschwindet einfach.
Tat er nicht.
Sie wiederum merkte offensichtlich auch, dass das Date nicht gerade Bilderbuchpotenzial hatte, und versuchte das Gespräch mit aller Kraft zu retten. Der eigentliche Höhepunkt kam allerdings ganz zum Schluss.
Die beiden unterhielten sich ernsthaft darüber, wie man schlechte Dates möglichst höflich beendet, um keine Zeit zu verschwenden. Ich konnte nicht mehr.
Denn anstatt genau das zu tun, beschlossen sie allen Ernstes, anschließend noch gemeinsam ins Kino zu gehen.
Der Käsekuchen war für mich spätestens da nur noch Nebensache. Teresa analysierte währenddessen ihren Cheesecake und kam zu dem Ergebnis, dass sie ihn vermutlich besser hinbekommen hätte. Simone fand ihren zwar gut, aber insgesamt etwas zu teuer.
Kaum waren die beiden verschwunden, mussten Simone und ich uns erst einmal austauschen.
Wir hatten offensichtlich exakt dieselben Gedanken.
Teresa schaute uns nur fragend an. Sie hatte von dem gesamten Schauspiel absolut nichts mitbekommen.




Das letzte kleine Lowlight des Tages folgte allerdings erst auf Simones Heimreise.
Sie und Vanni wollten Geld sparen und entschieden sich gegen den ICE und für die Regionalbahn. Geplant waren entspannte vier Stunden.
Am nächsten Morgen erreichte uns dann eine Sprachnachricht.
Ankunftszeit: 05:00 Uhr.
Erst fuhr der Zug nicht los. Dann fuhr er nur im Schneckentempo. Irgendwann bemerkten die beiden, dass sie umsteigen müssen. Voller Frust standen sie auf – nur um festzustellen, dass der Zug inzwischen einfach wieder zurück zum Berliner Hauptbahnhof gefahren war. Bemerkt hatten sie davon natürlich nichts.
Spätestens da war klar: Das wird heute nichts mehr.
Also blieb nur noch Plan B: Flixbus.
Manchmal ist der günstige Zug eben doch die teuerste Entscheidung.
Für uns blieb immerhin eine herrlich chaotische Sprachnachricht am nächsten Morgen – und die Erkenntnis, dass wir mit unserer Berliner Öffi-Verzweiflung offenbar nicht alleine sind.
Berlin Tipp: Handeln auf Berliner Flohmärkten lohnt sich.
Nicht jeder Preis ist in Stein gemeißelt.